Anjas und Winfrieds Reiseseite
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Im Westen Kanadas und der USA

vom 14. Juli bis 12. August 2008

Dienstag 22.07.2008

Banff - St. Mary

Um 6.30 Uhr piept der Wecker. Heute müssen wir 408 Kilometer bis nach St. Mary in Montana - USA fahren. Es folgt die gleiche Prozedur wie gestern, nur diesmal ist Anja wach und benutzt das Bad. Ich dusche mich unten und bereite danach direkt das Frühstück zu. Mein Blick nach draußen zeigt immer noch schönes Wetter. Nach dem Frühstück macht Anja mit dem restlichen Pastrami und Creme Cheese Toastbrote für unterwegs. Auch Äpfel werden in mundgerechte Teile geschnitten. Wir fahren eine unbekannte Strecke und wissen nicht, was uns erwartet. Zuerst spüle ich das Geschirr, dann schleppe ich den ersten Koffer nach unten und parke das Auto um. Direkt am Zugang zum Haus ist ein Platz frei und ich muss mit dem Gepäck nicht über den ganzen Parkplatz. Danach folgt noch der zweite Koffer und danach die vielen Taschen, die mittlerweile in dieser zweiten Woche zusammengekommen sind.
Endlich um 9.10 Uhr ist das Auto fertig gepackt und wir rollen zur Rezeption. Anja gibt die Zimmerkarten ab und ich mache noch eine Aufnahme. Danach fahren wir los und sind keine zwei Minuten später auf dem Trans Kanada Highway, aber diesmal in Richtung Calgary. Es ist wenig Verkehr, aber einige der großen LKW`s rauschen auf der Überholspur an uns vorbei.  Wir halten uns aber strikt an die 100 Km/h Geschwindigkeitsbeschränkung, denn auch hier haben wir schon Mounties mit Radarpistolen gesehen. In Canmore haben wir den Banff Nationalpark bereits verlassen und erstaunlicherweise wird das Wetter schlechter. Fast übergangslos hat sich eine dichte Wolkendecke gebildet, die uns leider den ganzen Tag begleiten wird.
Nach eineinhalb Stunden, um 11.25 Uhr sind wir an der Stadtgrenze von Calgary und fahren am ehemaligen Olympiagelände mit Sprungschanze und Eishalle vorbei. Da es bis hierher keinen Rastplatz gibt und der Kaffee drückt, fahren wir bei mittlerweile sehr dichtem Verkehr vom Highway ab und zum Olympiacenter. Hier können wir uns glücklicherweise erleichtern und machen den verabredeten Fahrerwechsel. In Calgary gibt es mehrere Möglichkeiten auf den Highway 2 nach Süden zu kommen und ich werde Anja mit meinen Karten durch diese Stadt lotsen. Da kann sie sich auf den dichten Verkehr konzentrieren und ich schaue auf die Straßenkarte und die Hinweisschilder. Eigentlich möchte ich den Highway Nr. 1 bis zum großen Straßenkreuz mit dem Highway Nr. 2 durchfahren, aber wir lassen uns kurzfristig von einem Schild zur 2A irritieren. Anja biegt ab bevor ich mich neu auf der Karte orientiert habe. Es stellt sich zwar heraus, dass wir ein paar Kilometer Strecke sparen, dafür aber andauernd links und dann wieder rechts an Kreuzungen abbiegen müssen. Da wir an den vielen Ampeln länger warten müssen haben wir auch keinen Zeitvorteil. Aber dafür haben wir schöne Vororte dieser Stadt gesehen.
Nach 30 Minuten sind wir durch Calgary durch und auf dem Highway Nr. 2 nach Süden unterwegs. Die Landschaft ist flach und eintönig und die Straße verläuft meist schnurgeradeaus. In High River gibt es eine Straßengabelung mit einer Ampel auf dem Highway. Danach fahren wir in den Ort Nanton. Durch das Speed Limit sind wir langsam unterwegs und sehen plötzlich am rechten Straßenrand ein großes Flugzeug aus einer offenen Halle ragen. Über dem großen Schiebetor steht „Nanton Lancaster Society Air Museum“ und das Flugzeug ist ein Lancaster Bomber aus dem zweiten Weltkrieg. Mit so einer Maschine haben Briten, Amerikaner und eben auch kanadische Piloten die deutschen Städte bombardiert. Wir sind interessiert und steuern eine Parklücke direkt vor dem Museum an. Zuerst betrachten wir das beeindruckend große Fluggerät von außen vor der Halle. Da wir Zeit haben, steuern wir den Eingang an der Seite des Gebäudes an. Der Eintritt ist eine Spende und wir sollen je 5 Can$ in eine Plexiglasbox vor der Theke legen. Hier gibt es jede Menge Souvenirs wie Basecaps, T-Shirts und sogar Videos und DVD’s mit historischen Filmen. Rechts neben der „Kasse“ ist der Eingang in die Halle. Neben dem Lancaster Bomber stehen noch mehrere andere Fluggeräte herum, die im Krieg zum Einsatz kamen. Aber das Hauptschaustück ist natürlich der Bomber. Die Klappen für den Bombenschacht sind offen und gestatten einen Blick in das innere der Maschine. Außen sieht man 4 Sternmotoren an den langen und sehr breiten Tragflächen. Beeindruckend sind auch die Abwehrgeschütze vorn im Bug, hinten am Heck und je eines oben und unten an der Maschine. Dieses Flugzeug wurde als eine von 430 Maschinen in Ontario, Kanada gebaut und flog kurz vor Kriegsende im Mai 1945 nach England. Standardmäßig hatte sie 7 Personen Besatzung. Ob sie noch einen Kriegseinsatz hatte, ist auf den Hinweistafeln nicht zu erkennen. Wir schauen uns noch andere Exponate an und sind nach 40 Minuten wieder am Auto. Hier verspeisen wir unser Pastrami-Toastbrot und trinken einen Vitaminsaft. Das soll als Mittagessen erst einmal reichen.
Um 12.50 Uhr sind wir wieder auf dem Highway und eine eintönige Strecke beginnt. Wir passieren den Ort Clarisol und sind um 13.30 Uhr an der Abzweigung zu einer historischen Stätte. Ich hatte bei der Reiseplanung diesen Ort gesucht und ihn auch im Internet gefunden, aber nirgendwo einen Hinweis auf die Lage oder gar die Anfahrt entdeckt. Aber ein Schild am Straßenrand löst dieses Problem. Ein ganzes Stück hinter Clarisol zweigt die Landstraße Nr. 785 zum Head-Smashed-In Buffalo Jump ab. Es sind 16 Kilometer und diesen historischen Ort möchten wir uns unbedingt ansehen. Wir wurden durch ein neunstündiges Fernsehereignis, das von Steven Spielberg produziert wurde, darauf aufmerksam. Es heißt „Into The West“ und ist auch auf DVD erhältlich. In diesem Episodenfilm mit gewaltigen Bildkompositionen und fantastischen Schauspielern wird das ganze Drama der Besiedelung des Westens und der Untergang der First Nation gezeigt. Eine der Episoden in diesem Film handelt von dieser historischen Stelle und zeigt sie im Film. Schon auf der Fahrt dahin sehen wir Bisonherden und Indianerzelte, Tippis genannt. Aus der Tiefebene steigt die Straße unvermittelt steil an und auf halber Höhe zweigt eine kleine Straße zu einem Parkplatz rechts ab. Erstaunlicherweise ist er voll und erst nach der zweiten Runde können wir eine Bucht ergattern. Ich ziehe die Decke über unser Gepäck im Kofferraum und wir schließen das Auto ab. Es ist ein kurzer, aber recht steiler Aufstieg zum Eingang. Für Gehbehinderte oder faule Zeitgenossen fährt ein Bus vom Parkplatz die 200 Meter zum Eingang. Der Fahrer, ein Schwarzfußindianer (ich schreibe das hier bewusst eingedeutscht) hält neben uns und fragt, ob wir mitfahren möchten. Da wir schon gut dreiviertel des kurzen Anstieges bewältigt haben, lehnen wir sehr freundlich ab. Das Ein- und Aussteigen hätte länger gedauert als der Rest des Weges zum Eingang. Wir laufen weiter und sind tatsächlich vor der Busladung am Eingang. Der Eintritt kostet 8.10 Can$ pro Person und wir bekommen dafür jeder ein Papierarmband. Dieses 3 Zentimeter breite, rote Band müssen wir uns um das Handgelenk legen und verkleben. Es ist zweisprachig beschriftet und es steht in Englisch „Hello, We Welcome You“ und in der Sprache der Schwarzfußindianer „Oki, Kiitsiksiksimaatstsimohpinaan“ darauf. Das Gebäude ist schon von außen sehr beeindruckend, weil es nur aus der Nähe als solches zu erkennen ist. Wir stehen hier vor einer steilen Felswand und die Front ist praktisch dieser Wand nachgebildet und in der gleichen Farbe gehalten. Das eigentliche Museum verbirgt sich dahinter und ist in den Felsen hineingebaut. Baubeginn war im Juni 1985 und die offizielle Einweihung durch den Duke und Duchess of York (Prinz Edward und Fergie???) am 23 Juli 1987.
Wir betreten um 13.55 Uhr mit unseren Armbändern die große Eingangshalle und werden von zwei freundlichen Indianerfrauen begrüßt. Eine weist uns auf die nächste Führung hin und die beginnt sofort. Wir huschen durch die zweiflügelige Tür, die uns ein First Nation mit langen, grauen und zum Pferdeschwanz gebundenen Haaren aufhält und setzten uns in dem abgedunkelten Raum auf einen Hocker. Nur die Wände mit den Tafeln und wenige Exponate sind mit Strahlern schwach erleuchtet. An der gegenüberliegenden Wand steht ein Flipchart und es liegen einige indianische Exponate auf dem Boden. Der ältere Herr an der Tür schließt dieselbe und tritt vor das Flipchart. Er stellt sich den circa 25 Besuchern als „Conrad - Little Leaf“ vor. „Conrad“ ist sein kanadischer Vorname und „Little Leaf“ (kleines Blatt) sein Schwarzfußname. Er beginnt nun einen fast dreiviertelstündigen Vortrag, natürlich in englischer Sprache, über die Geschichte der Schwarzfußindianer, wie sie zu dem Namen kamen, über diese historische Stelle und über das Museum. Er erklärt auch viele Ausdrücke in seiner First Nation Sprache und zeigt dabei die Exponate der Jagd und vieles mehr. Es war hoch interessant und überhaupt nicht langweilig. Hier könnte ich noch viele Seiten schreiben, will aber nur kurz auf die Geschichte dieser historischen Stelle eingehen.
Über dem Museum gibt es eine große Ebene mit saftigen Weidegründen, die an dieser Stelle durch tektonische Einflüsse um einen Höhenunterschied von circa 20 bis 30 Meter unterbrochen wird. Die Indianer früherer Tage trieben mit Wolfsfellen getarnt die Bisons in eine Panik und in der ganzen Herde über die Abbruchkante. Die Tiere stürzten somit zu Tode und konnten hinterher problemlos verarbeitet werden. Nach einer alten Legende wollte ein junger Krieger das Schauspiel der herabstürzenden Bisons hautnah miterleben und versteckte sich unter der Abbruchkante des Felsens, wo er sich wie hinter einem Wasserfall in Sicherheit wähnte. Die Jagd war an diesem Tag aber ungewöhnlich erfolgreich und so türmten sich die Leiber der Bisons vor ihm auf und zerquetschten in. Sein Kopf war von den Massen der Körper eingedrückt oder es hat ihn der Huf eines im Todeskampf befindlichen Bisons getroffen. Daher der Name „Head-Smashed-In“ – zerquetschter Kopf. Wie gesagt: Eine alte Indianerlegende. Aber der Ort hier und die Ereignisse der Bisonjagd sind historische Tatsachen. Dies lässt sich an Hand von unzähligen ausgegrabenen Bisonknochen belegen.
Conrad ist mit seinem Vortrag fertig und öffnet die Tür. Er führt uns durch das Museum von Level 5 auf Level 4. Hier ist ein Kino und der fünfzehnminütige Film über die Büffeljagd hat gerade begonnen. Wir setzten uns dazu und sehen eine sehr spannende, filmische Dokumentation mit Darstellern, wie sich die Jagd im Detail abgespielt hat. Nach dem Film steigen wir die Treppen weiter hoch bis zum Level 0. Hier befindet sich der Ausgang zum oberen Rundweg und zum Aussichtspunkt. Das Wetter ist sehr schlecht geworden. Es ist stark bewölkt und es pfeift ein ordentlicher Wind. Glücklicherweise regnet es nicht und wir trotten hinter Conrad her. Am Aussichtspunkt versammelt sich die Gruppe und er erklärt noch dies und das. Verstehen können wir ihn wegen der Windstärke nicht, dass geht nur in seiner unmittelbaren Nähe. Ich filme lieber die Kante und stelle mir vor, dass ich diesen Sturz auch nicht überleben würde. In unseren Jacken ohne Ärmel und in T-Shirts wird es langsam ungemütlich hier draußen und wir streben der Tür zum Museum entgegen. Dahinter nehmen wir den Aufzug und fahren 4 Levels hinunter. Hier ist die Cafeteria mit 60 Sitzplätzen und warmen Speisen. Es ist bereits 15.45 Uhr und das Pastrami-Toastbrot verlangt Nachschub. Es gibt Buffalo Burger, Burger aus Bisonfleisch und das haben wir noch nie gegessen. Wir bestellen uns jeder einen und dazu eine kleine Cola. Auch hier gibt es nur Pepsi. Die Burger werden frisch zubereitet und wir suchen mit dem Tablett einen Platz. Es gibt eine große Scheibe, durch die man in das Museum hineinsehen kann und hier ist ein Tisch frei. Auch sonst ist in der Cafeteria nicht viel los. Nach fünf Minuten bekommen wir das Essen gebracht und gespannt kosten wir den Burger. Er schmeckt anders als ein Rindfleisch Burger, etwas herzhafter oder gar strenger, aber sehr gut. Für 15 Can$ ist das Essen gut und preiswert. Wir halten uns nicht mehr lange hier auf und streben dem Ausgang zu. Davor müssen wir noch am Souvenirshop vorbei und ich möchte sehen, ob es indianische Andenken oder Kunst zu kaufen gibt. Leider sind die meisten Sachen nicht mein Geschmack, aber Anja entdeckt wunderschön gearbeiteten Halsschmuck. Wir kaufen zwei der schönen Ketten und sind schon wieder 25 Can$ los.
Das kurze Stück zum Auto laufen wir auch diesmal und sitzen um 16.10 Uhr wieder im Auto. Zurück auf der Landstraße 785 filmen wir noch eine Bisonherde, die ist aber recht weit weg. Wir werden bestimmt in Montana oder Wyoming noch Bisons vor die Linsen bekommen und fahren so schnell wie es erlaubt ist zum Highway zurück. Hier biegen wir rechts ab und sind nach einer viertel Stunde in Fort McLeod. Hier müssen wir höllisch aufpassen und mehrmals die Richtung und den Highway wechseln. Einmal rettet uns ein Schild, das nach Cardstone und auf US-Highway Nr. 89 hinweist. Eigentlich wollten wir einen kleinen Umweg über Lethbridge wegen der tollen Eisenbahnbrücke fahren, aber die Zeit ist uns im Lancaster Museum und im Bison Museum davongelaufen. Also weiter in Richtung USA und Montana.
Gleich nach Fort McLeod wird die Landschaft wieder sehr eintönig. Nur halbrechts am Horizonz kann man im Dunst den Chief Mountain erahnen, den heiligen Berg der Schwarzfußindianer. Der liegt auf der Grenze zu den USA und zeigt uns den noch weiten Weg. Nach endlosen Kilometern sind wir um 17.20 Uhr in Cardstone und fahren die Main Street hinunter. Ich habe die kleine Kamera eingeschaltet und filme die Durchfahrt. Es ist eine Szenerie wie in einem Hollywoodfilm. Alte Holzhäuser mit hohen Giebeln, das Drahtgewirr der Stromleitungen überspannt die Straße und jede Menge Zebrastreifen, aber keine Ampel. Aus einer Seitenstraße kommt ein hellblauer Oldtimer-Pickup und hält an der Stopplinie. Hinter der Windschutzscheibe blickt uns das Gesicht mit Vollbart eines Farmers entgegen. Ich suche nach den Panavision-Kameras, aber hier ist alles echt. Hoffentlich kommt jetzt nicht der Sheriff und wirft uns ins Gefängnis. Ich glaube, hier geht die Fantasie mit mir durch, aber wenn ihr die Aufnahmen sehen könntet…
Keine 15 Minuten hinter Cardstone kommt die Grenzstation in Sicht. Anja fährt kurz an den Straßenrand und ich hole die Einreisepapiere hervor. Da wir über Kanada in die USA einreisen, benötigen wir erst einmal nur die gültigen, weinroten und maschinenlesbaren Reisepässe, die Fahrzeugpapiere und eventuell unsere Führerscheine. Anja rollt wieder los und nur zwei Minuten später sind wir an der Grenzstation  Piegan Mountain Montana. Am kanadischen Grenzgebäude steht ein Uniformierter, aber der schaut irgendwo anders hin und hat an uns keinerlei Interesse. Wir haben ja ein kanadisches Nummernschild und als Deutsche sehen wir auch nicht anders als die Kanadier aus. Aber am US Schalter müssen wir natürlich stoppen. Dieser Beamte sitzt hinter einer mit Panzerglas versehenen Scheibe und nimmt unsere Reisepässe entgegen. Es dauert fast fünf Minuten, dann ruft er heraus, dass wir auf den Parkplatz fahren und in das Gebäude kommen sollen. Da er unsere Pässe behalten hat, folgen wir seinen Anweisungen. Wir parken und betreten das Office der Grenzstation. Es gibt eine lange Theke und einen niedrigen Schalter mit Kamera und Fingerabdruckscanner. Wir warten an der Theke, denn der Schalter ist noch besetzt. Als der Schalter frei wird, kommt ein hochgewachsener GI-Typ auf uns zu. Der war bestimmt mal Navy-Seal oder ein Einzelkämpfer beim Militär, geht die Fantasie wieder mit mir durch, aber der hätte auf jeder Halloween-Party einen guten Buzz Lightyear abgegeben. Er fordert uns hinter der Theke stehend auf, ihm zu dem Schalter zu begleiten. Hier dürfen wir uns setzen und er schiebt uns zwei der grünen Einreiseformulare herüber, die man sonst im Flugzeug bei der Einreise in die USA bekommt. Da wir die Zettel kennen ist das Ausfüllen recht schnell erledigt. Danach macht er von jedem noch mit der Kamera ein Foto und wir dürfen noch unsere Fingerabdrücke auf dem Scanner hinterlassen. Es scheint alles vorbei zu sein, da bekommen wir doch noch unseren Anschiss. Er klammert den unteren Abschnitt des grünen Formulars in den Reisepass und erklärt uns mit sehr lauter, militärisch klingender Stimme: „Don’t keep this“. Wir schauen etwas verdutzt und zucken mit den Schultern. Er wiederholt seinen Satz noch lauter und bestimmter. Da dämmert mir etwas. 2006 sind wir von Alaska in den USA nach Vancouver in Kanada eingereist und der freundliche Asiat hinter dem Schalter am Flughafen hat den grünen Zettel übersehen und nicht entfernt. Da der Hinweis auf die Pflicht zum Entfernen auf der Rückseite steht und der Zettel eingeheftet ist, kann man das nicht lesen. Wir machen ein zerknirschtes Gesicht und geloben, bei der Ausreise zurück nach Kanada den Zettel entfernen zu lassen. Zu allem Überfluss will der Mann jetzt auch noch für seine Mühen mit uns 12 US$ kassieren. Komisch, wenn wir mit dem Flugzeug einreisen, müssen wir das nicht extra bezahlen oder wird das mit dem Flugpreis abgegolten? Ich schiebe ohne Diskussion meine Kreditkarte über den Schaltertisch und unterschreibe danach die Quittung. Dann sind wir in Gnaden entlassen. Ich frage „Buzz Lightyear“ noch, ob wir die Restrooms benutzen dürfen und er gestattet es uns gnädig. Anschließend und nach einer für uns sehr langen halben Stunde sind wir um 18.10 Uhr hier an der Grenze fertig und sitzen wieder im Auto. Wir sind jetzt in Montana angekommen. Für viele bedeutet das eher nichts, aber ich bin seit meiner Jugend Fan von Cowboy und Indianergeschichten und einmal in diesem Bundesstaat sein zu dürfen ist ein lange gehegter Traum.
Nach St. Mary fahren wir nur noch eine halbe Stunde und unser Hotel liegt direkt an der Abzweigung in den Glacier Nationalpark, dass wir um 18.40 Uhr erreichen. Auch hier gibt es ein großes Haupthaus mit der Rezeption, einem Restaurant, Läden und sogar einer Tankstelle. Wir betreten die große Halle des Haupthauses und überall sehen wir Sitzgruppen mit vielen Menschen, die alle ein Notebook vor sich haben und fleißig im Internet surfen. An der Rezeption checken wir ein und bekommen Raum Nummer 138. Die Lady zeigt uns auf einem Lageplan die Hauszeile, in der sich unser Zimmer befindet. Dazu müssen wir zurück zum Auto und die Straße überqueren. Auf der anderen Seite befindet sich ein einstöckiges, lang gestrecktes, motelartiges Gebäude, in dessen Mitte unser Zimmer liegt. Wir können direkt davor parken und ich rangiere das Fahrzeug rückwärts an die Tür heran. Somit brauche ich nur die Heckklappe zu öffnen und die Gepäckstücke durch die offene Tür ins Zimmer zu bringen. Das mit der offenen Tür ist aber nicht so einfach. Wir sind in den USA und hier funktionieren die Türschlösser meist im Uhrzeigersinn beim öffnen. So, als wollte man die Tür abschließen muss man sie hier öffnen. Aber auch das lösen wir und sind nach dem ersten Blick in den Raum sehr enttäuscht. Nach den durchweg sehr guten Unterkünften bisher ist das hier ein sehr einfaches Zimmer. Es ist vielleicht fünf mal fünf Meter klein, hat aber glücklicherweise die von uns bestellten „Two Queen Beds“, also zwei breite Einzelbetten. Dafür müssen wir uns hinter der Tür bücken, um beim Betreten des Zimmers nicht mit dem Fernsehen auf dem Metallarm an der Wand zu kollidieren. Der ragt nämlich sehr unglücklich ins Zimmer hinein. Hinten rechts gibt es noch eine Tür in ein Badezimmer mit Toilette, aber da ist kaum Platz darin. Und hier müssen wir zwei Tage aushalten. Da es auch keinen Schrank gibt, stellen wir unsere Koffer auf den Boden und müssen ab jetzt in Schlangenlinien durch das Zimmer laufen. Ich habe mich zweimal am Ferseharm richtig heftig gestoßen und bin nachts beim Gang zur Toilette mit einem Koffer kollidiert, was sehr schmerzhaft war. Mehr will ich jetzt zu dieser Unterkunft nicht schreiben.
Wir wollen uns nicht lange im Zimmer aufhalten, weil ich noch den Jahrespass für die Nationalparks kaufen möchte. Deshalb fahren wir um 18.50 Uhr direkt wieder los. Ich denke, jetzt am Abend ist nicht viel Betrieb im Visitor Center am Parkeingang und es geht schneller als morgen früh, wenn viele Touristen in den Park drängen. Zum Parkeingang ist es allerhöchstens eine Strecke von einem Kilometer und ich bin erstaunt, dass die Abzweigung in das Visitor Center hinter den Kontrollhäuschen ist. Wir haben zwei Autos vor uns und müssen warten. Als wir dran sind, erkläre ich der älteren, sehr freundlichen Lady unser Anliegen. Den Pass bekommen wir nur bei ihr und sie benötigt meine Kreditkarte und meinen Führerschein mit Lichtbild. Beides gebe ich ihr und drei Minuten später darf ich den Zettel mit der Quittung für die Kreditkartenbelastung unterschreiben und halte den Jahrespass in der Hand. Sie fragt uns noch nach unserer Nationalität und gibt uns noch die deutsche Broschüre über den Glacier Nationalpark. Der Jahrespass 2008 kostet 80 US$ und ist für alle National-, State- und Provinzparks und Monumente in den USA gültig. Er gilt für das Auto mit Fahrer, Beifahrer und Passagieren. Wenn wir jeden Park und jeden Besuchstag einzeln bezahlen müssten, kämen wir nicht nur auf den dreifachen Betrag, wir müssten auch jedes Mal bezahlen. Ab jetzt zeigen wir nur den Pass und dürfen passieren. Hinter dem Häuschen drehe ich und wir verlassen den Park sofort wieder. Jetzt dürfen wir ja zu jeder Zeit hinein und so oft wir wollen.
Um 19 Uhr parke ich das Auto wieder vor dem Zimmer und wir betreten kurz unsere Bleibe. Wir tauschen unsere Devisen in den Geldbörsen und unsere Travellerschecks aus. Hier brauchen wir die US Dollar und die kanadischen Dollar holen wir erst am Ende der Reise wieder hervor. Dann schnappen wir uns den Computer und verlassen um 19.30 Uhr das Zimmer. Da noch Verkehr in den Park hinein herrscht, müssen wir beim Überqueren der Straße aufpassen, sind aber nur wenige Minuten später im „Snow Goose Grill“, der Bar im Haupthaus. Es ist ein großer Raum mit zwei Fensterseiten. Die schmale Seite führt auf eine Sonnenterrasse hinaus, die lange Seite ist bis fast zum Fußboden verglast und bietet einen fantastischen Blick in Richtung Nationalpark. Hier gibt es Wireless Lan und in einer Sitzgruppe direkt am Fenster sogar Platz für uns in tiefen Ledersesseln. Zum Glück entdecke ich im Mauersockel der Fensterfront eine Steckdose für unser Netzteil und wir sind nicht auf die Dauer der Akkuladung beim Computern begrenzt. Wir bestellen beim Kellner jeder ein helles Bier und etwas zu essen. Anja nimmt eine Tomatensuppe und ich kann erneut dem Buffalo Burger nicht widerstehen. Das Teil ist nicht sehr groß und zum Bier als Abendessen gerade recht. Ich baue den Computer auf und starte das Internet mit dem Passwort, das uns der Kellner gegeben hat. Am Fenster sitzt jetzt ein Cowboy mit einer Gitarre und Mikrofon und fängt an, Countrylieder zu singen. Im Hintergrund sehen wir in der untergehenden Sonne die Bergketten des Glacier Nationalparks und wir denken: Herz, was willst Du mehr, schöner und romantischer geht es fast nicht mehr. Meine kleine Videokamera, die ich immer dabei habe, kann auf Fotoaufnahmen umgestellt werden. Ich mache von dem Sänger und der Bar einige Aufnahmen, stecke die SD-Karte aus der Kamera in den Computer um und kann mir die Fotos sofort ansehen. Zwei rechne ich sofort kleiner und schicke sie mit weiteren Bildern vom Buffalo Jump per E-Mail Anhang an gute Freunde nach Deutschland. Ich bestelle noch ein Bier und wir schauen in den schönen Sonnenuntergang. Aber der lange Fahrtag und die Besichtigungen machen sich bemerkbar. Wir zahlen und brechen um 21.45 Uhr zum Zimmer auf. Ich lege kurz den Computer auf mein Bett und wir machen in der Dämmerung noch eine Runde um die Gebäude des Hotelkomplexes. Nach 15 Minuten haben wir auch das erledigt, viel gab es nicht zu sehen. Um 22 Uhr liegen wir in den Betten und schauen noch in die Röhre. Da der Apparat aber sehr hoch hängt (für meinen Kopf nicht hoch genug), ist das Fernsehen aber sehr mühsam für unsere Halsmuskulatur. Deshalb ist nach einer halben Stunde um 22.30 Uhr Bettruhe.

nächster Tag

 

 

 

 



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Calgary


Highway Nr: 2 South


Nanton


Nanton Air Museum

 

 


Lancaster Bomber

 

 


Tragfläche mit Motoren

 

 


Imposantes Fluggerät

 

 


V 12 Zylinder Motor

 

 


Bombenschacht

 

 


Hinweistafel

 

 


Tipidorf

 

 


Interpretive Center

 

 


Eingang

 

 


Ausgestopfte Bisons

 

 


Conrad Kleines Blatt

 

 


Conrad Little Leaf

 

 


Außenmission

 

 


Büffelsprung 1

 

 


Buffalo Jump 2

 

 


Conrad Little Leaf 3

 

 


Echte Bisonschädel

 

 


Sehr viel Geschichte

 

 


Herde echter Bisons

 

 


Ortsdurchfahrt Cardstone

 

 


Grenzstation 1

 

 


Grenzstation 2

 

 


St. Mary Lodge Resort

 

 


Snow Goose Grill